Liebe #fitfamgermany Heute gibt’s einen #throwbackthursday Damals wog ich doppelt so viel wie heute plus mindestens ein Schulkind Aber gerockt hab ich auch in Super XXL – deshalb liebt euer Leben und strebt danach, stets die beste Version von euch selbst zu werden. Ihr könnt alles schaffen, wir zusammen können alles schaffen Das Foto entstand nicht bei meinem Höchstgewicht. #nobodyshame #sisteract #transformation #vorhernachher #beforeandafter #fitfam #fitgirl #fitfamgermany #supersize #derspeckmussweg #blogger #picoftheday #lifeisbeautiful #autorenleben #authorslife

Aktuell bin ich gut 150 kg leichter als 2007. Das ist eine gute Nachricht – und gleichermaßen eine »schlechte« Nachricht, denn vor Jahren hatte ich es schon mal auf knapp »170 kg abgenommen« geschafft. Wie die Geschichte jedes Menschen versteckt sich auch hinter meiner Story eine Aneinanderreihung von Erfolgen und Tiefpunkten, von guten Ideen, guten Entscheidungen und Fehlern.

Meine vorher nachher Bilder auf Instagram verbergen unabsichtlich die Natur der sichtbaren Erfolge, sie verstecken das Blut, den Schweiß und die Tränen, die in dieses Ergebnis geflossen sind – und noch fließen werden. Tiefpunkte gehören dazu und rückblickend betrachtet sind genau diese Tiefpunkte die Momente im Leben, in denen sich wirklich nachhaltig etwas ändert.

Heute möchte ich mit euch gemeinsam auf die Nullpunkte und Fehler meiner Abnehmgeschichte von 2007 bis 2018 zurückblicken und nach den positiven Veränderungen suchen, die genau diese »Lektionen« angestoßen haben.

Die Talsole, in der alles anfängt

Mein allererster Tiefpunkt liegt an einem Morgen im November 2006. Mieses Novemberwetter, schmerzende Knochen, es ist ein Freitag wie heute. Ich habe es eilig, schmiere mir ein paar Brote für die Fahrt zur Arbeit, der Fernseher läuft nebenher. Plötzlich weckt ein Bericht mein Interesse: Eine stark übergewichtige Frau in den USA muss dringend ins Krankenhaus. Sie ist nur so beleibt, dass die Feuerwehr sie nicht durch den Flur nach draußen tragen kann. Der Schwerlast-Krankenwagen wartet, während Männer mit schwerem Gerät die Hauswand aufstemmen, um die Frau in die Klinik zu bringen. Auf der Fahrt zur Arbeit kann ich an nichts anderes denken, als an diese Frau und an die bange Frage, wie weit ich von ihrem Schicksal entfernt bin.
Die Antwort darauf erhielt ich schneller als erwartet. Ich treffe wie üblich eine Stunde zu früh im Büro ein, parke in der Tiefgarage und wackele zum Fahrstuhl, der mich in den dritten Stock bringen soll. Statt des erwartungsfroh blinkenden Rufknopfs empfängt mich ein Warnschild: »Wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb.«

Die gleiche Mitteilung hängt am zweiten Lift.
Vier Etagen trennen mich von meinem Schreibtisch. Vier Etagen, die an diesem Morgen unerklimmbar erscheinen. Ich überlege kurz, ob ich nach Hause fahren soll und mich krankschreiben lasse, bis die Fahrstühle wieder funktionieren. Allein der Gedanke erinnert mich an die Frau aus den USA. Ich nehme die Treppen und sitze zwei Stunden an meinem Tisch mit brennenden Lungen. Mir ist übel von der Anstrengung und mehr noch von der Angst, eines Tages auch mit einem Schwerlast-Krankenwagen von der Feuerwehr aus meinem Haus geschnitten zu werden, wenn sich nichts ändert.

Der absolute Tiefpunkt, dieser eine Tag im November 2006, rettet mir am Ende das Leben. Damals ahnte ich nicht, wie schwer ich wirklich bin. Ich rechnete mit 160 kg, vielleicht 170 kg. Schließlich zeigte die Tchibo Waage Error an, also waren es vielleicht ein paar Kilo mehr, oder?
Hätte ich bei meinen ersten Schritten in ein gesünderes Leben gewusst, dass ich insgesamt etwa 185 kg abnehmen muss, um normalgewichtig zu sein – ich weiß nicht, ob ich mir den Start zugetraut hätte. 262,5 kg zeigte mir die nach 1,5 Monaten mit Vollkornbrot, abgemessenen Portionen und drei Mal Frühschwimmen die Woche. Januar 2007. Elf Jahre ist das her und ich spüre den Schock dieser Zahlen noch immer tief unter der Haut.
Habe ich mich von 262,5 kg aufhalten lassen? Nein. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht über meinen eigenen Mut wundere, dieser Wahrheit ins Gesicht zu sehen und mich ihr entgegenzustellen.

Der unsichtbare Tiefpunkt, der alles verändert

Einige Jahre später habe ich das scheinbar Unmögliche erreicht: Ich wiege 160 kg weniger als 2007 und lebe in einem Zelt aus überschüssiger Haut. Eine unumgängliche Folge von einem derart hohen Gewichtsverlust. Der zweite große Tiefpunkt in meinem Leben ist mir längst dicht auf den Fersen und ich ahne nichts davon. Ich mache einen riesengroßen Fehler. Jahrelang habe ich mich nur alle 6-8 Monate gewogen, Stillstände sind damit beinahe ausgeschlossen. Kurz vor dem Antrag zur Entfernung der schmerzhaften Hautlappen beginne ich, mich wöchentlich zu wiegen. Ich will noch ein paar Kilo loswerden. Objektiv absolut die richtige Entscheidung, zu viel Fett schadet der Heilung. Das Problem: Nach 160 kg Gewichtsverlust möchte der Körper einfach eine Pause. Ich leide jeden Tag unter der losen Haut, unter Entzündungen und dem Schwitzen im Sommer, dem Wundreiben und der ständigen Kompressionskleidung.
Ungeduld führt im Regelfall zu miesen Entscheidungen.
Ich esse immer weniger und fange an, zehn oder fünfzehn Kilometer am Tag zu laufen. Meine Kalorien zähle ich plötzlich obsessiv – das habe ich vorher überhaupt nicht gemacht. In der Phase meiner Geschichte verliere ich mich selbst, ohne es wahrzunehmen. Der Kampf um die Kilos zehrt mich von innen auf, Fett nehme ich auch nicht ab – dafür aber Muskelmasse. Sehe ich mir alte Bilder an, schreit mir dieser Fehler ins Gesicht – mein Körper ist damals gut 10 kg leichter als im März 2018 und ich trage trotzdem heute mindestens eine Kleidergröße weniger.

Auf dem rechten Bild sehe ich viel schlanker aus und wiege mindestens 10 kg mehr.

Das Gemeine an diesem Tiefpunkt ist, dass ich ihn nicht erkenne. Ich halte ihn für den »Sieg«, spätestens beim Vorgespräch mit dem Chirurgen, der mir die medizinische Notwendigkeit eines Bodylifts bestätigt und das Gutachten für den Antrag schreibt.

Über 150 kg abgenommen hinterlässt Spuren. Bekleidet sind die Hautlappen nicht deutlich wahrnehmbar – so sehen die aktuell März 2018 aus.

Er gibt es mir mit und ich möchte am liebsten Tanzen vor Glück, weil ich den Abgrund nicht sehe, der da auf mich wartet. Der Chirurg gibt mir den Rat, vor dem unteren Bodylift die Kinderplanung abzuschließen, damit der Kugelbauch das Ergebnis nicht wieder zerstört. Hier startet der nächste Krimi. Kinderwunschbehandlung. Trotz eines pünktlichen Zyklus klappt es nicht, ich bin gestresst von all dem Kalorienzählen und Laufen und der Druck nimmt rasant zu, als die Hormonbehandlung beginnt und ich in wenigen Wochen! – Wochen!!! – 12 kg zunehme. Traumatisch. Aus den 12 kg werden innerhalb eines halben Jahres 40 kg in einer völlig neuen Fettverteilung. Vor der Hormontherapie setzte sich Fett vorrangig an die Beine und Arme, während und nach der Therapie bekam ich plötzlich übermäßig viel Bauch. Ich komme an den Punkt, an dem ich gar nichts mehr weiß, Sport und Ernährung richten nichts mehr aus, mehr Essen führt zur Zunahme, weniger Essen bremst nur die Zunahme. Die Angst wächst, dass ich wieder in einem annähernd 300 kg schweren Körper eingemauert leben muss und diesmal ohne, dass ich mir wirklich die Schuld geben kann.
Aus gesundheitlichen Gründen breche ich die Hormontherapie ab, allein die Entscheidung erleichterte mich.

Heute ist mir die Shorts von damals zu groß – obwohl ich mindestens 10 kg schwerer bin

Hinterlistig hat sich dieser Tiefpunkt damals an mich rangeschlichen und überrollt. Rückblickend habe ich in den Jahren viel gelernt über mich, über den menschlichen Körper und die vielen verschiedenen Auslöser für Übergewicht. Wie jeder tiefe Fall hat auch dieser Moment mich noch mehr zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Erfolgloser Kampf

Zwei Jahre lang versuche ich, den angerichteten Schaden der Kinderwunschtherapie wieder auszubügeln. Mit professioneller Hilfe einschließlich der Betreuung durch eine Psychologin und zwei unterschiedliche Ernährungsberater gelang es nicht, das Gewicht zu stabilisieren und dauerhaft in die gewünschte Richtung zu lenken. Kleinere Auffälligkeiten wie eine starke Schilddrüsenunterfunktion, komplett ausbleibende Periode und verschobene Geschlechtshormone reichten nicht zur Begründung der beständigen Zunahme, der übrigens ein Blutbild gegenüberstand, das Mangelernährung statt Überernährung bescheinigte. Ich sag nur Triglyceride zeitweise unter 30 – das wird auf dem Laborbogen schon mit anhaltender Hungersnot übersetzt. Heißt im Klartext: Mein Körper hungert und nimmt gleichzeitig zu. Aha. Total logisch. Diese Erkenntnis war wieder so ein kleiner Tiefpunkt, ich fürchtete, den Verstand zu verlieren.

Harte Arbeit im Gym zahlt sich besonders dann aus, wenn der Trainingsplan stimmt. Wilde 15 km Walking Ausflüge täglich machen nicht so schlank, wie schwerers Krafttraining und die richtige Menge Cardio. Oder anders: viel hilft nicht immer viel.

Du kannst die Lösung nicht sehen, weil du ignorant bist.

In diesen Jahren habe ich mehr Studien, Bücher und Meinungen zum Thema gelesen, als jemals in meinem Leben zuvor. Ein großer Fehler von mir war es, eine Option lange Zeit komplett auszuschließen: die Magenoperation. Der Grund meiner zunächst rigorosen Ablehnung liegt auf der Hand. Ich wusste genau, dass ich nicht »zuviel« esse und sah damit keine Hilfe in einem kleineren Magen. Diese Ignoranz ärgert mich nachhaltig. Ich möchte gern offenbleiben für alles, flexibel und auch in der Lage, meine Meinung zu ändern, wenn ich neue Fakten bekomme. Meine Recherche hatte mir längst Hinweise geliefert, welches »hormonelle« Problem ich durch meine Hardcore Diät vor der Kinderwunschbehandlung und die Verschiebung meines gesamten Stoffwechsels hinterher in mir trug. Dafür gab es meiner Ansicht nach keine Lösung und meine Starrköpfigkeit verhinderte lange, dass ich mich mit dem Thema Operation auseinandersetzte.
Ärgerlich.
Das änderte sich nur durch einen Zufall. Ich kaufte mir ein Magazin, in dem mich der Vergleich zwischen verschiedenen Krankenkassen interessierte. Nebenbei enthielt es einen Artikel über die Wirkungsweise von Magenoperationen. Sei ehrlich: Was denkst du, warum die Leute mit einer OP besser abnehmen und das niedrigere Gewicht leichter und länger halten können? Na klar, weil sie nur noch total wenig essen.
Voreingenommen erwartete ich Blabla und bekam in massentaugliche Worte gekleidet Hinweise zu Studien, die ich mir genauer ansah. Speziell der Magenbypass verursachte kurz nach der OP eine Veränderung der Darmhormone, die ich für die Verursacher meines Problems hielt.

Vor 8 Monaten mit 60 kg mehr auf den Rippen, direkt nach der OP

Ich gebe es zu: Schnell gehandelt habe ich trotzdem nicht. Das rechne ich mir nicht als Fehler an, auch nicht als Tiefpunkt. Bis Ende 2016 brauchte ich, um genügend Informationen über die Wirkungsweise und die Risiken eines Eingriffs zu sammeln, bevor ich mich aus voller Überzeugung dazu entschied.

Den Rest der Geschichte kennt ihr – ich zog meine Entscheidung durch und habe bis jetzt keine Sekunde bereut. Wird mich das in Zukunft vor neuen Fehlern und Tiefpunkten bewahren? Nein, ich bin auch nur ein Mensch und baue Mist. Doch zumindest die alten Ausrutscher muss ich ja nicht wiederholen.

Meine größten Fehler auf dem Weg zum Normalgewicht waren meiner Meinung nach:

  • 1. Extrem wenig gegessen über Monate.
  • 2. Zu häufig auf die Waage gestiegen, als ich nah am Ziel war.
  • 3. Von vorne herein bestimmte Lösungen ignoriert, weil ich dachte, ich weiß darüber alles.
  • 4. Kurz vor dem Ziel in Panik geraten, weil es nicht schnell genug ging, und zuviel Ausdauersport statt ausgewogenem Trainingsprogramm gemacht.
  • 5. Unrealistisches »Gewichtsziel« gehabt, weil ich nicht zum Ernährungsmediziner gegangen bin, um für meinen Körpertyp ein reales Zielgewicht zu bestimmen.
  • 6. Die Hormonbehandlung
  • 7. Vor lauter Panik Hinwenden zu sehr extremen Ernährungsvarianten wie Keto mit 95% Fett oder Zerocarb. Hat mir beides gefallen aber langfristig nicht gut getan.

Warum blicke ich heute auf meine Fehler zurück und teile das mit euch?

Nach dem Besuch bei der Ernährungsmedizinerin in Berlin im März 2018 weiß ich jetzt genau, wie mein »Normalgewicht« und mein »Idealgewicht« überhaupt aussehen können. Daraus ergibt sich, wie nah ich bereits am Ziel bin. Sehr sehr nah. Die Ernährungsmedizinerin hat aus meiner Körperanalyse ein Normalgewicht bei 95 kg geschätzt, statt 74 kg, die nach BMI für meine Körpergröße normal wäre. Mit 85 kg nach Hautentfernung werde ich mein persönliches Idealgewicht erreichen. Weniger ist weder gesund noch wünschenswert.
Das heißt Endspurt. Je nach Waage sind es aktuell 10-20 kg Fett, die vor der Hautlappen Entfernung runter müssen. Im Vergleich zu dem, was hinter mir liegt, ist das ein Klacks.

Stark ist das neue “schlank” – das ist mein Motto. Sport gehörte von Anfang an fest zu meinem neuen Leben.

Mit einem fetten »Aber« – es wird er härteste Part der Reise. Die letzten Kilos sind immer die Schwersten. Heute erinnere ich mich bewusst an die Fehler, die ich gemacht habe, um daraus zu lernen und teile sie mit euch, damit ihr den ein oder anderen Fettnapf auslassen könnt.
Ich habe die Waage verbannt und werde sie erst im Juli wieder »besuchen«, ich achte darauf, genug zu essen und mein Training kontrolliert und planmäßig zu absolvieren. Keine panischen »Hardcore-Diäten«, keine Shakephasen oder andere Albernheiten wie den trendigen »pouch Reset«. Heute esse und trainiere ich für den neuen Körper, den ich für den Rest meines Lebens gesund halten möchte.

Das Gewicht und das Abnehmen ist nicht der Mittelpunkt meines Alltags. Ich definiere mich nicht über eine Zahl auf der Waage, sondern durch das, was ich in die Welt bringen möchte. Und das ist ein Stück Wahrheit über Übergewicht, die nur zu gern unter all den Klischees verloren geht: Nicht alle Dicken sind faul und verfressen. Die Gründe für Übergewicht sind vielfältig. Gesundheit ist wichtiger als eine bestimmte Kleidergröße. Abnehmen bedeutet nicht hungern. Dünn ist nicht gleich gesund. Stark ist das neue schlank. Es ist okay, sich Hilfe zu holen. Sei es psychologische Betreuung, eine ernährungsmedizinische Beratung oder sogar eine Operation, wenn alle anderen Möglichkeiten versagt haben. Einfach gesagt: Es ist okay, auf der Reise zu sein, nicht perfekt zu sein. Das verschweigen euch Hochglanzmagazine und die Medien zu gern: Niemand ist perfekt und doch sind wir alle »okay« wie wir sind. Gerade mit unseren Fehlern.
Sie sind es, die uns am Ende zum Menschen machen.

Deshalb seid nett zu euch selbst, kümmert euch gut um euren Körper und eure Gesundheit und gebt den Kilos Zeit, wieder zu schmelzen.

 

 

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